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Zehn Fragen an Bernhard Langer
"Der Dauerbrenner"
20. Dezember 2010:
Interview von golf.de-Chefredakteur Timo Schlitz mit dem
Ausnahmegolfer zur zurückliegenden Saison und den
Zukunftsaussichten auf der Champions Tour, zu Martin Kaymer, zur
deutschen Ryder Cup Bewerbung und zu seiner Wahlheimat Florida.
Bernhard Langer legte 2010 eine
unglaublich gute Saison hin und gewann bei den Senioren auf der
Champions Tour fast alles, was es überhaupt zu gewinnen gab.
Golf.de sprach mit dem 53-Jährigen über die Zukunft, sein
Zuhause in den USA und die Chancen, dass Deutschland 2018 den
Ryder Cup in Deutschland ausrichten könnte.
Golf.de: Können Sie uns
einen kurzen Rückblick auf das Jahr geben? War die Saison 2010
mit den zwei Major-Titeln eine der besten in Ihrer langen
Karriere?
Bernhard Langer: Das Jahr 2010
war ein sehr erfolgreiches Jahr für mich. Fünf Turniersiege,
davon zwei Majors ? die Senior British Open und die US Senior
Open -, der Gewinn des Charles Schwab Cup und der Geldrangliste
der Champions Tour. Zum dritten Mal in Folge wurde ich Spieler
des Jahres 2010 der Champions Tour, ein sehr wertvoller Titel,
da er von den Kollegen verliehen wird. Kaum zu fassen, wie gut
es dieses Jahr lief, dafür bin ich sehr dankbar. Es ist eines
der besten Jahre in meiner Karriere.
Golf.de: Wie lange wollen Sie noch die Senioren aufmischen?
Werden Sie 2011 wieder beim Masters antreten?
Bernhard Langer: JSolange ich gesund bin, Spaß und auch
Erfolg habe, werde ich weiter professionelles Golf spielen. Ich
habe vor, einige weitere Jahre bei den Senioren mitzumischen.
Sicher werde ich die US Masters in Augusta spielen.
Golf.de: Sieht man sie 2011 bei dem ein oder anderen Turnier
auf der US oder European Tour?
Bernhard Langer: Ja, voraussichtlich werde ich in
München das Euro-Tour-Turnier, die BMW International Open, sowie
das im Gespräch befindliche Turnier der European Senior Tour in
Köln spielen. 2011 bin ich auch für die British Open und die US
Open qualifiziert. Ich denke jedoch, dass ich mich letztlich auf
die Champions Tour in den USA konzentrieren werde.
Golf.de: Gibt es ein Turnier, das Sie in Ihrer Karriere
unbedingt noch gewinnen wollen?
Bernhard Langer: Ja klar, das ist die BMW International
Open in München, wo ich schon viele Male sehr nahe am Sieg war.
Aber dort zu gewinnen, wird von Jahr zu Jahr schwieriger und es
gehen ja bekanntlich nicht alle Wünsche in Erfüllung. Zu
mindestens werde ich es versuchen.
Golf.de: Mit insgesamt 25 Starts, darunter 23 Antritten auf
der Champions Tour, haben Sie sogar noch mehr gespielt als in
den Jahren zuvor? Gab es dafür einen Grund?
Bernhard Langer: In den letzten Jahren habe ich immer
zwischen 20 bis 25 Turniere pro Jahr gespielt. Vielleicht waren
es 2010 ein, zwei Turniere mehr, weil ich den Charles Schwab Cup
gewinnen wollte und sich dadurch meine Chancen erhöhten.
Golf.de: Wie ist das Leben als Champions Tour-Profi im
Vergleich zu den Jahren auf der US PGA Tour?
Bernhard Langer: Das Leben ist ähnlich und mit viel
Reisetätigkeit verbunden. Der bedeutendste Unterschied dabei
ist, dass die meisten Turniere der Champions Tour nur über drei
Tage gehen. So kann ich am Sonntagabend nach Hause fliegen, um
erst am Mittwoch zum nächsten Turnier anzureisen und dadurch
zwei ganze Tage zu Hause sein. Ich bin gerne bei meiner Familie
? drei unserer Kinder leben ja noch im Haus.
Ein weiterer Unterschied ist, dass es bis auf die Majors keinen
Cut gib. Das Spielerfeld ist auf 78 Spieler begrenzt. Das Spiel
ist viel aggressiver auf Birdies und Eagles ausgerichtet, da es
u.a. keinen Cut gibt und nur sehr gute Runden zum Turniersieg
führen können. Jeder versucht von Anfang an vorne dabei zu sein.
Natürlich kennen wir Spieler uns auch seit vielen Jahren. Wir
sind alle im etwa gleichen Alter und der gleichen Lebensphase,
da ist es leichter Gespräche zu führen und Freundschaften zu
pflegen. Es sind Kollegen, mit denen ich seit 20, 30 oder sogar
35 Jahren Golfturniere spiele. Großartig ist auch unser
Bibelabend während der Turnierwoche, bei dem zum Teil 60 bis 100
Personen von der Tour anwesend sind.
Golf.de: Welcher junge Spieler beeindruckte Sie in diesem
Jahr am meisten?
Bernhard Langer: Das ist mit Sicherheit Martin Kaymer.
Dann sind da noch Rory McIlroy und andere große Talente. Aber
aufgrund seiner Erfolge war das Martin Kaymers Jahr und ich
finde es beeindruckend, wie gut er gespielt hat.
Golf.de: Was sagen Sie zum Jahr von Martin Kaymer?
Bernhard Langer: Er hat ein Superjahr hinter sich und
mehrere Turniere gewonnen, darunter ein Major. Er ist Sieger der
Rangliste der European Tour. Hut ab, Martin.
Golf.de: Wie schätzen Sie die Chancen ein, dass Deutschland
den Ryder Cup-Zuschlag in 2018 erhält. Mit Ihrem Bruder als
Geschäftsführer und Ihnen als Präsident sind schließlich zwei
der einflussreichsten Personen im Golfsport an der Sache dran?
Bernhard Langer: Wir haben gute Chancen, den Ryder Cup
2018 nach Deutschland zu holen. Leider hat uns die
Bundesregierung und in Folge die bayerische Landesregierung bei
der Bewerbung nicht in der erwarteten Form unterstützen können.
Die RC Deutschland GmbH ist jedoch weiter intensiv damit
beschäftigt, zusätzliche Möglichkeiten zu finden, um das Ziel
2018 zu erreichen. Dazu ist es nicht nur notwendig, die
geforderten finanziellen Bedingungen annähernd zu erfüllen,
sondern auch mit internationalen Turnieren der Challenge Tour,
der European Tour und der Senior Tour das Interesse am Golfsport
in Deutschland weiter zu fördern. Eine große Herausforderung für
RC Deutschland ist es, Sponsoren für diese Turniere zu finden.
Ohne Partnerschaften in der Industrie wird dies aber nicht
möglich sein.
Unsere Mitbewerber wie Spanien und Portugal finanzieren diese
Bereiche aus Geldern der Tourismusförderung und haben hierbei
einen erheblichen Vorsprung. Den Franzosen wird wiederum die
große politische Unterstützung der französischen Regierung als
Pluspunkt gereichen.
Allein mit den weltbekannten deutschen Tugenden werden wir das
Komitee nicht überzeugen können, den Ryder Cup 2018 nach
Deutschland zu geben. Wir haben also eine sehr ernstzunehmende
Konkurrenzsituation.
Golf.de: Sie leben mit Ihrer Familie im Sonnenstaat Florida.
Ihre Empfehlungen für deutsche Golfer, die in Florida Golf
spielen möchten?
Bernhard Langer: Florida ist ein Golfstaat und es gibt
dort Hunderte schöner Golfanlagen in allen Himmelsrichtungen,
was es schwer macht Empfehlungen auszusprechen. Der TPC Platz in
Jacksonville von der PGA Tour ist einer der bekanntesten und
auch schönsten. Innisbrook in Tampa, Naples und Fort Meyers,
Doral in Miami ? egal, wohin Sie gehen, Sie werden überall viel
Freude haben und hervorragende Golfplätze finden.
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