Augsburger Allgemeine (AZ):
Warum war der Wittelsbacher Golfclub die richtige Wahl unter den
deutschen Bewerbern?
Das deutsche Auswahlgremium hat sich
einstimmig für das Gesamtkonzept des Wittelsbacher
Ausgleichsfonds entschieden. Nicht nur aufgrund der Möglichkeit
einer neuen und allen modernen Anforderungen gerecht werdenden
Golfanlage, sondern auch der erforderlichen
Unterstützungszusagen der bayerischen Staatsregierung und des
langfristig angelegten Nutzungskonzeptes inklusive eines in der
Region ansässigen,
aber global agierenden Unternehmens.
AZ: Was
zeichnet die deutsche Bewerbung im internationalen Vergleich
aus?
Ich will keine
Vergleiche mit den Mitbewerbern anstellen. Das ist nicht unsere
Aufgabe! Es ist unser Ziel eine optimale Bewerbung abzugeben,
unsere vielseitigen Möglichkeiten sehr gut darzustellen
und den Verantwortlichen von Ryder Cup Europe eine Entscheidung
für Deutschland zu ermöglichen.
AZ:
Welche
Perspektiven würden sich Ihrer Meinung nach für Deutschland im
Allgemeinen und die Region Neuburg im Besonderen durch die
Ausrichtung des Ryder Cups 2018 eröffnen?
Eine Sportveranstaltung von Weltgeltung wie
der Ryder Cup würde dem
bayerischen Städte-Dreieck Augsburg-München-Nürnberg mit dem
regionalen Zentrum Neuburg/Ingolstadt, dem Land Bayern und der
Bundesrepublik Deutschland zunächst sportlich neue
Entwicklungsmöglichkeiten von bislang ungeahntem Umfang bieten.
Noch ist Deutschland im Golfsport ein ?sleeping giant?, ein
schlafender Riese.
Aber auch die wirtschaftliche Bedeutung ist
enorm. Golf ist eine global ausgerichtete Sportart und der Ryder
Cup würde die Bekanntheit der Region, des Landes und der ganzen
Nation weltweit steigern. Der positive Einfluss einer
Großveranstaltung auf die touristische Entwicklung der
austragenden Region und des Landes ist unbestritten.
AZ: Wie können Sie und ihr Bruder Erwin der deutschen
Bewerbung helfen?
Ich war und bin gerne bereit die deutsche
Initiative persönlich und mit
meinem Namen zu unterstützen. National und international
nutze
ich alle sich bietenden Gelegenheiten
unsere Bewerbung positiv
darzustellen.
Meine langjährige Mitarbeit im Ryder Cup Komitee und im Vorstand
der European Tour ist für unsere Aktivitäten von großem Wert.
Die
Unterstützung meines Bruders liegt als
Beiratsvorsitzen-der der
Bewerbungsgesellschaft im operativen Bereich. Dort ist er
aufgrund seiner jahrelangen Erfahrung in der Veranstaltung von
großen nationalen und internationalen Turnieren, seiner
detaillierten Kenntnisse in der Organisation des Ryder Cup und
in der Zusammenarbeit mit den internationalen Verbänden gefragt.
AZ:
Zwischen der Abgabe der Bewerbungsunterlagen und der
Entscheidung im Jahr 2011 liegt viel Zeit. Werden Sie und ihr
Bruder in dieser Zeit "Wahlkampf" betreiben?
Natürlich werde ich, wie schon gesagt,
jede Gelegenheit nutzen unsere Bewerbung positiv
darzustellen. Der Ryder Cup ist jedoch nicht mit Olympischen
Spielen oder einer Fußball WM zu vergleichen, für deren Vergaben
die jeweiligen IOC- bzw. Fifa-Mitglieder überzeugt werden
müssen. Aber es
werden sicher auch nach Abgabe der Bewerbung noch Fragen zu
beantworten bzw. Antworten detailliert zu bearbeiten sein. Unser
Team hat bis zur Entscheidung im Mai 2011 bestimmt noch viel zu
tun. Sehr wichtig wird auch werden, dass es uns weiterhin
gelingt in Deutschland, bei der gesamten Bevölkerung und vor
allem den Golfern eine breite Unterstützung zu finden und für
eine ähnliche positive Stimmung zu sorgen wie vor der Fußball WM
2006.
AZ: Wie schätzen Sie Ihren Einfluss auf das Wahlgremium ein?
Natürlich kenne ich die Mitglieder der
verschiedenen
Gremien sehr gut und sie kennen mich und meinen Bruder Erwin.
Sie wissen seit Jahrzehnten, wofür wir stehen. Dass wir
halten was wir versprechen und was wir der Tour und den Spielern
bisher auf den deutschen Turnieren geboten haben. Nicht umsonst
waren und sind die Turniere in Deutschland von höchster Qualität
auf der European Tour. Das ist den deutschen Veranstaltern und
Sponsoren zu verdanken und es hat uns
hohe Anerkennung auf der Tour und bei den Spielern
eingebracht.
AZ:
Besteht die Gefahr, dass sich Deutschland zu sehr auf die
"Zugpferde" Bernhard und
Erwin Langer verlässt?
Ganz sicher nicht. Wir sind im
Profigolfsport zwar die bekanntesten ?Gesichter? der deutschen
Bewerbung, aber nicht die einzigen bzw. die entscheidenden
Personen. Immerhin stehen mit Franz Beckenbauer, Boris Becker,
Oliver Kahn, Dr. Wladimir Klitschko und Heiner Brand fünf
weltbekannte Stars aus anderen Sportarten als Botschafter hinter
der Bewerbung.
Das Team der deutschen Bewerbung besteht
aus vielen hoch motivierten Menschen sowohl aus der Region
Neuburg/Ingolstadt, der Bewerberanlage in Rohrenfeld und den
staatlichen Stellen, die unserem RC 2018 Deutschland Team in
Wiesbaden beim Deutschen Golf Verband (DGV) und der PGA of
Germany zur Seite stehen.
Um alle Anforderungen für einen Ryder Cup
2018 in Deutschland zu erfüllen, müssen die regionale und
nationale Wirtschaft, sportpolitische und politische
Organisationen Hand in Hand arbeiten und die Bewerbung
unterstützen. Beste Beispiele für das Funktionieren einer
solchen Public Private Partnership (PPP) sind erfolgreiche
Sportevents wie die Fußball WM 2006, Handball WM 2007 oder
Leichtathletik WM 2009. Das können zwei Personen wie Bernhard
und Erwin Langer nicht allein schaffen.
AZ:
Sind Sie mit dem
"Rückenwind" in der deutschen Öffentlichkeit für die Bewerbung
zufrieden?
Was in
den letzten 12 Monaten in Deutschland geschehen ist, habe ich
erhofft, aber in dieser Form nicht zu träumen gewagt. Ich freue
mich sehr über den Erfolg unsere ?Bekenner/Unterstützer ? Idee?
im Internet. Mehr als 21.000 Anmeldungen in 10 Monaten sind
schon sehr beeindruckend. In 219 deutschen Golfclubs wird ein
Golfturnier der RC 2018 Tour veranstaltet! ? und das im ersten
Jahr, nach nur dreimonatiger Ankündigung.
Die
Geschlossenheit der deutschen Golfszene ist grandios, aber auch
notwendig; denn leider fehlt uns bis auf eine Ausnahme noch die
Unterstützung der
Wirtschaft bzw. Industrie.Und ohne eine ausreichende finanzielle
Ausstattung wird unsere Bewerbung nicht funktionieren.
AZ: Was
kann noch verbessert werden?
Wir brauchen für den Erfolg der deutschen
Bewerbung noch Partner aus der deutschen Wirtschaft und
Industrie. Die deutsche Golfszene und die öffentliche Hand sind
notwendige und wichtige Faktoren, aber sie dürfen nicht alleine
gelassen werden.
AZ: Welche
Kriterien werden am Ende den Ausschlag für eine erfolgreiche
Bewerbung geben? Wie "tickt" die Ryder Cup Europe LLP?
Es wird das
Gesamtkonzept sein, das letztlich den Ausschlag gibt. Der Ryder
Cup ist eine er größten Sportveranstaltung mit immensem
weltweiten Interesse, deshalb muss das wirtschaftliche und
organisatorische Risiko maximiert bzw. minimiert werden. Dazu
sind wir in Deutschland in der Lage. Wir müssen die an uns
gestellten Anforderungen nur erfüllen.
AZ:
Falls die Bewerbung 2018
nicht von Erfolg gekrönt sein sollte - würden Sie dann einen
weiteren Anlauf unterstützen?
RC Deutschland, mein
Bruder Erwin und ich stehen für den Ryder Cup 2018 in
Deutschland. Das ist das Ziel des gesamten Teams.
Sollten wir den Zuschlag für 2018 nicht erhalten, werden wir uns
zu gegebener Zeit Gedanken machen.
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